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Bildungsstreik in den Medien
Flensburger Tageblatt vom 16.6.
Bildungsstreik Flensburg – Unterstützer & Kooperationspartner
Lesenswertes Infomaterial
Bildungsstreik in den Medien
Flensburger Tageblatt vom 16.6.
Bildungsstreik Flensburg – Unterstützer & Kooperationspartner
Lesenswertes Infomaterial
“Warum bundesweiter Bildungsstreik” ist die Frage?
Zuerst möchte ich festhalten…
Das überall Erzieherinnen, Erzieher, Lehrerinnen, Lehrer, Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftler und andere Aktive im Rahmen Ihrer Möglichkeiten versuchen, aufklärerische und individuelle Bildung zu leisten. Kurzum, Sie versuchen dem immer größer werdenden Anspruch an Ihre Tätigkeit gerecht zu werden.
Pause..
Doch ich möchte heute Abend nicht über die Bereitschaft der Einzelnen referieren, sondern über die Rahmenbedingungen, in denen wir uns alle befinden.
Die ersten Institutionen, mit denen ich mich befassen möchte, sind Krippen und die Kindertagesstätten.
Gerade mal drei bis vier Prozent der Kinder, die jünger als drei Jahre sind, haben in Deutschland einen Krippenplatz. Das im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) beschriebene Recht des Kindes auf Förderung seiner Entwicklung und auf Bildung wird hierzulande nicht verwirklicht- dies ist ganz deutlich ein Verstoß gegen die UN-Konvention.
Pause…
In den Kindertagesstätten sieht es leider oft nicht anders aus:
Fehlende Plätze und chronische Unterfinanzierung sind hier oftmals an der Tagesordnung.
Die GEW titelte in der Ausgabe 4/09:
„Exklusion Bildungs- und Kinderarmut grenzen aus!“
Ebenso ist in diesem Zusammenhang die Kitagebühr kritisch zu betrachten.
Das Resultat: Die Chancengleichheit vor und zum Schuleintritt wird bei den bestehenden Rahmenbedingungen nicht gewährleistet.
Wie soll individuelle Förderung geleistet werden, wenn der aktuelle Betreuungsschlüssel von einer Erzieherinnen bei 15 Kinder liegt.
Ich frage Sie wirklich, liebe hier anwesenden Pädagogen, wie sollen Sie die versäumte Integrationsarbeit der Regierung der letzten Jahrzehnte innerhalb von zwei bis vier Jahren aufholen oder wie wollen Sie dem immer größer werdenden Anspruch an Ihr Berufsfeld gerecht werden, wenn die Regierung bis heute nicht die Rahmenbedingungen dafür bereit stellt.
Vielleicht kann ja unser hervorragendes Schulsystem diese Defizite ausgleichen?
Pause…
Bei genauerer Betrachtung musste ich leider feststellen, NEIN, das kann es nicht!
Genau das Gegenteil ist leider der Fall,
Auch hier findet man die für Deutschland typischen Probleme: Chronische Unterfinanzierung und die damit einhergehend personelle Unterbesetzung.
Im Gegenzug stellte die „aktuelle Ganztagsschulstudie (StEG) fest, dass Eltern bessere Qualität der Ganztagsangebote und individuelle Förderung für Ihre Kinder fordern.
Des Weiteren ist bis heute immer noch das Drei- Gliedrige- Schulsystem in diesem Land vorhanden.
Die alarmierenden Befunde internationaler Vergleichsstudien bescheinigen Deutschlands Schulwesen seit 2001 nicht nur mittelmäßige Leistungsergebnisse, sondern vor allem auch eine hohe soziale Selektivität.
Zu was für verheerenden Entwicklungen dies führen kann, ist deutlich an dem Beispiel „Rütli Schule“ zu sehen. Diese hatte 2006 zum ersten mal auf Ihre prekäre Situation hingewiesen. Im Januar dieses Jahres, also drei Jahre später, hatten 68 Schulleiter des Bezirks Berlin Mitte einen Brandbrief verfasst. In dem Schreiben stellen Sie fest, dass der Bezirk vor seinem „bildungspolitischen Aus“ steht. Die Gründe: Personalknappheit, mangelnde Ausstattung und die unzureichende Integrationspolitik. Der Bezirk habe einen Migrantenanteil von 90%, eine hohe Kriminalitätsrate und die Mehrheit der Familien sei sozial benachteiligt. Das schlage auf die Schulen durch. Hier kämpften die Lehrer mit Analphabetentum, mangelnden Deutschkenntnissen und Schulabbrechern. Zeit und Geld für Fördermaßnahmen sei schlicht nicht vorhanden. Die Ergebnisse der PISA-Untersuchung und der Studien IGLU und Timms zeigten die Resultate.
Ich frage mich wieder, wie sollen Sie, die immer mehr werdenden Ansprüche an Ihren Berufszweig erfüllen, wenn die Regierung nicht die Rahmenbedingungen dafür bereit stellen.
Jährlich verlassen 70.000 Schülerinnen und Schüler deutschlandweit die Schule ohne einen Abschluss.
Pause…
Das Resultat: Chancengleichheit in und nach der Schule ist nicht vorhanden.
Es ist gänzlich unvereinbar mit dem Recht auf Bildung, wenn staatliches Handel soziale Benachteiligung verstärkt, statt sie zu überwinden.
Was Sie nun sicherlich nicht überraschen wird, dass ist der Zustand an der Universität
Da ist zum einen, der Bologna-Prozess, der das Studium in Deutschland innerhalb eines kappen Jahrzehnts nachhaltig verändert hat: verschärfter Zeitdruck, Aufteilung in Bachelor- und Masterstudiengänge, konsequente Modularisierung der Studienfächer
Zum anderen wurde in vielen Bundesländern der Zugang zur Universität mit Studiengebühren oder NCs erschwert.
Studiengebühren sind ein klarer Verstoß gegen den UN-Sozialpakt, mit dessen Ratifizierung hat sich Deutschland bereits 1966 verpflichtet, für Gebührenfreiheit des Hochschulstudiums und eine strukturelle Verbesserung der Ausbildungsförderung zu sorgen, um (Passen Sie auf, jetzt kommts) Chancengleichheit für alle Schülerinnen, Schüler und Studierenden zu erreichen.
Nach einer im Herbst 2008 bekannt gewordene Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) haben bis zu 18.000 junge Menschen des Abiturjahrgangs 2006 wegen der Studiengebühren auf ein Studium verzichtet.
Auch hier, Chancengleichheit vor und im Studium? Fehlanzeige!
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hält fest, das in Deutschland zwischen 2000 und 2005 die Hochschulausgaben des Staates zwar um 6% gestiegen sind, aber die pro-Kopf- Ausgaben im gleichen Zeitraum um 2% gesunken sind.
Die Universität Flensburg hat in den letzten Jahren stetig Ihre Infrastruktur ausgebaut. Hinzu kommt die strukturelle Veränderung durch den Bologna-Prozess, wobei im Gegenzug der daraus resultierende personelle Anspruch durch die wachsende Infrastruktur und die strukturelle Veränderung nicht erfüllt wurde.
Rolf Dobischat, seit zwei Jahren Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW) äußert sich dazu folgendermaßen: „Dass die Unis die Ressourcen fressenden Bedingungen der neuen Studiengänge nicht überblickt haben, war vielleicht ihr größter Fehler der vergangenen Jahre.“
Der Wissenschaftsrat (WR) sowie die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) stellen beide zu diesem Thema in Ihren Untersuchungen fest, dass zwischen 1,1 Milliarden (WR) und 2,6 Milliarden (HRK) pro Jahr erforderlich sind, um geforderte Verbesserungen und den Ausbau der nötigen Stellen zu gewährleisten.
Pause…
Also, auch an den Universitäten sehen die Probleme nicht anders aus, Sie kämpfen mit chronischer Unterfinanzierung und mit nicht überwindbarer personeller Unterbesetzung.
Bei einem solchen Bildungssystem, ist es nicht verwunderlich, dass sich Ausbildungsbetriebe, Gewerkschaften und andere Institutionen, in denen Ehrenamtliche Mitarbeit benötigt wird, sich über die Bildung des Einzelnen und dessen Bereitschaft und Interesse am politischen Geschehen wie Ehrenamtlicher Mitarbeit negativ äußern.
Was muss also der Anspruch an Bildung sein?
1. Bildung muss verfügbar sein!
Pause..
Diese Forderung impliziert ein flächendeckendes öffentliches Kita- und Schulangebot mit einer hinreichenden Personal- und Sachmittelausstattung. Dazu zählen in erster Linie qualifiziertes Lehrpersonal, ausreichende Schulräume, eine angemessene Ausstattung sowie geeignete Lernmittel.
2. Bildung muss zugänglich sein!
Pause…
Das Recht auf Zugänglichkeit der Bildung bezieht sich auf den physischen, ökonomischen und diskriminierungsfreien Zugang zum Schulsystem.
3. Bildung muss annehmbar sein!
Pause..
Die Annehmbarkeit von Bildung zielt neben Gesundheits- und Sicherheitsstandards auch auf die Unterrichtsqualität, die an allen Schulen gleichermaßen zu gewährleisten ist, sowie die Berücksichtigung kultureller Unterschiede im Hinblick auf die Unterrichtsangebote.
4. Bildung muss anpassungsfähig sein!
Pause…
Die Anpassungsfähigkeit der Bildung erfordert eine entsprechende Flexibilität des Schulsystems, damit es in der Lage ist, auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.
Abgeleitet von diesen Dimensionen fordern wir bundesweit!!!
- die Aufstockung des Personals und die Verbesserung des Betreuungsverhältnisses in Kitas, Schulen und Hochschulen
- die Umsetzung von Bildungskonzepten, die ein Begreifen der Welt fördern und auf Zensuren und die Selektion von Lebensläufen verzichten
- das Ende der Verschulung des Studiums, von Leistungsdruck bzw. Lernstress und permanenter Kontrolle (Prüfungen, Anwesenheitslisten und Punktesystemen)
- die Wiederherstellung der Möglichkeit, im Studium selbstbestimmt individuelle Schwerpunkte zu setzen
- den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen
- die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung von der Kita bis zur Hochschule
- eine Mitbestimmung der Betroffenen an „Runden Tischen“ und unter Nutzung der neusten, die Demokratie revolutionierenden IT-Strukturen, in die alle Haushalte eingebunden werden könnten
- eine bundesweite Bildungsoffensive, einen Förderschirm für Ungebildete und Bildungsprämien für gute Lern-, Lehr- und Studienleistungen
Ich möchte nun zum Ende meines Vortrags kommen und verbleibe mit einer Forderung der GEW:
„Das Menschenrecht auf Bildung soll zur Leitschnur des bildungspolitischen Handelns in Deutschland werden und ein Gegengewicht zur Ökonomisierung und Kommerzialisierung von Bildung bilden!“
Das Bildungsstreikteam Flensburg besteht aus Studierenden und Professoren, Schülern und Lehrern, Lernenden und Lehrende, die die derzeitigen Verhältnisse nicht mehr hinnehmen wollen